Scheibenschießen

Seit jeher war das Scheibenschießen der Kern des Schützenfestes. Schon in der überlieferten „Nachricht von der Wiedereinführung des Scheibenschiessen in der Stadt Lübbecke“ aus dem Jahre 1823 heißt es, dass dazu wie ehedem zwei Kompanien gebildet werden:

»Die Compagnien werden in der Art eingetheilt, […] so daß zur 1sten Compagnie
jede ungrade, zu der 2ten Compagnie aber jede grade Haus Nummer gezählt wird,
und dazu alle die männlichen Personen gehören, welche darin wohnen. […]
Die 1ste Compagnie erhält die blaue; die 2te Compagnie die weiße Fahne.« 1)

So wird auch heute noch derjenige, der sich durch den besten Schuß seiner Abteilung auszeichnet, zum Schützenkönig proklamiert und mit den entsprechenden Insignien geschmückt. Bei den ungeraden Hausnummern ist dies die Kette mit einem Vogel aus Silber, bei den geraden Hausnummern die mit einer silbernen Büchse.

Während des gesamten Scheibenschießens übernehmen Unteroffiziere wichtige Aufgaben und sind somit für einen reibungslosen Ablauf zuständig.


Zunächst sichern wir als Towache den Schießstand und regeln den Einlaß der Schützen.

Gewehre laden


Im Schießstand selbst werden die alten Vorderladergewehre sorfältig von Unteroffizieren der Artillerie geladen und den Schützen ausgehändigt.


Es folgt der Schuß mit lautem Knall und Pulverdampf, wenn die Schützen die handgegossenen Bleikugeln - gut gezielt - auf die 50 Meter entfernte, hölzerne Zielscheibe abfeuern.

Scheibenzeiger

50 Meter weiter in der sogenannten Deckung wird nach dem Schuß die Scheibe auf ein neues Einschußloch untersucht. In dieses wird dann ein kleiner Holzpflock eingeschlagen bevor die Scheibe wieder für den nächsten Schützen in die Schießbahn herabgelassen wird.

Gleichzeitig wird das Ergebnis fernmündlich an den Schießstand übermittelt, wo es vom Aufsicht führenden Offizier in der Schießkladde vermerkt wird.

Signale

Ein weiterer Unteroffizier aus der Deckung signalisiert die Treffer mit einer kleinen Kelle an den Trommler, der das Ergebnis für alle hörbar durch Trommelschläge bekannt gibt.

Das Publikum auf dem Schießplatz zählt laut mit und ist gespannt, wer die soeben gezählte 12 geschossen hat, während die Pulverschwaden langsam im Wald verwehen.

Wenn alle Schützen der geraden bzw. ungeraden Hausnummern ihren Schuß abgegeben haben, wird die jeweilige Scheibe aus der Deckung gebracht, um sie dem neuen, umjubelten König voran ins Festzelt zur Proklamation zu tragen.

Während die Teilnahme am Scheibenschießen für die ausmarschierenden Schützen (heute) freiwillig ist, sind wir Unteroffiziere verpflicht einen Schuß anzugeben. - Und natürlich erkennen wir hinterher genau, welcher Pflock der eigene ist.

1)
S. 11, Lübbecke am 21sten August 1823